Viele Perspektiven, ein Ziel
Rund 60 Menschen aus Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung und Freizeitnutzung kamen am 29. September im Kurhaus am Park in Isny zusammen, um über die Zukunft der Bodenmöser zu sprechen. Der Abend zeigte: Die Blickwinkel sind verschieden, doch die Teilnehmenden sind sich in ihrer Einschätzung erstaunlich einig: Wir müssen jetzt handeln.
Worum es an diesem Abend ging
Die Bodenmöser sind ein wertvoller Lebensraum mit großer Artenvielfalt. Gleichzeitig trocknen viele der Moorböden aus und degradieren. Damit gehen nicht nur Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen verloren, sondern auch ein wichtiger Speicher für Kohlenstoff und Wasser.
Das Palodium war ein zentraler Baustein des Beteiligungsprozesses für die Machbarkeitsuntersuchung und Gesamtkonzeption Bodenmöser, die wir gemeinsam mit dem Peatland Science Centre (PSC) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erarbeiten. An diesem Abend ging es darum, Meinungen auf den Tisch zu legen und zu sondieren, wo wir vor Ort stehen. Unsere Ziele waren:
- unterschiedliche Perspektiven aus Landwirtschaft, Freizeitnutzung und Naturschutz an einen Tisch zu bringen,
- Meinungen, Sorgen und Ideen zu sammeln und ein Stimmungsbild zu gewinnen,
- gemeinsam über mögliche Wege zu sprechen, die Bodenmöser zu schützen und ihre Artenvielfalt für die Zukunft zu sichern,
- den Erhalt der Moorböden in den Blick zu nehmen, bevor sie weiter austrocknen und degradieren.

Das Format: Impulse und offene Diskussion
Ein Palodium verbindet kurze Impulse mit einem moderierten Austausch. Nach einer kurzen Vortragsrunde der Podiumsgäste war das Publikum an der Reihe: In der offenen Diskussion konnte jede und jeder Fragen stellen und seine Erfahrungen mit einbringen.
Wer auf dem Podium saß
Für die Impulse sorgten diese Gäste (von li nach re):
- Anja Schumann, Schwäbisches Donaumoos
- Uli Weiland, Allgäuer Moorallianz und Landschaftspflege
- Franz Schönberger, Landwirt, Vertreter des Bauernverbands
- Rüdiger Jooß, Regierungspräsidium Tübingen
- Rainer Magenreuter, Bürgermeister der Stadt Isny
- Armin Woll, Gebietsmanager

Gastgeber des Abends waren Prof. Dr. Matthias Drösler, Forschungsprofessor für Klimawandel und Moor-Ökosysteme und Leiter des Peatland Science Centre, sowie Prof. Sonja Hörster von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
Was den Abend geprägt hat
Die Sicht der Landwirtschaft. Franz Schönberger machte deutlich, was für viele Betriebe auf dem Spiel steht: „Wir verlieren immer mehr Flächen für die Landwirtschaft, können wir uns das leisten?“ Diese Frage stand über der Diskussion und zeigte, dass tragfähige Lösungen die Menschen mitnehmen müssen, die vor Ort wirtschaften.
Vorbilder, die Mut machen. Anja Schumann brachte Erfahrungen aus dem Schwäbischen Donaumoos ein und beschrieb, was überzeugt: „Wenn ein Landwirt sieht, dass die Wiedervernässung funktioniert hat und jemand dennoch ernten und verkaufen kann, dann ist er oft bereit, es auch zu versuchen!“ Es braucht also Role Models, Menschen, die sich etwas trauen und mit guten Beispielen vorangehen. Wo Wiedervernässung und Bewirtschaftung nachhaltig zusammengehen, entsteht Vertrauen.
Der Blick nach vorn. Prof. Sonja Hörster und Prof. Dr. Matthias Drösler stellten die Fragen, an denen sich das weitere Vorgehen orientiert: Welche Szenarien können sich die Menschen vor Ort für die Zukunft der Bodenmöser vorstellen, und wie könnten mögliche Modelle aussehen? Konkrete Szenarien wurden an diesem Abend noch nicht festgelegt, dafür war er nicht gedacht. Ihr Appell: Jetzt ist der Moment, sich einzubringen, sonst verpassen wir unsere Chance.
Und jetzt?
Was wir an diesem Abend erlebt haben, macht Mut: Unterschiedliche Positionen saßen in einem Raum und waren sich weitgehend einig, dass wir jetzt etwas tun müssen, um unsere Zukunft und unsere natürlichen Ressourcen zu sichern. Wenn wir an einem Strang ziehen, können wir die Bodenmöser im Sinne von Natur, Landwirtschaft und Gemeinschaft weiterentwickeln.
Die Ergebnisse des Palodiums fließen in die Entwicklung des Konzepts für die Bodenmöser ein. Die konkreten Szenarien werden dann im Rahmen der Werkstattgespräche Ende Januar 2027 erarbeitet und festgelegt.
Wir danken allen, die dabei waren, zugehört, mitdiskutiert und ihre Perspektive geteilt haben.
Mehr zum Projekt: Moorkomplex Bodenmöser

