Dialogforum Bodenmöser

Am 9. Juli trafen sich rund 50 Menschen aus der Region im Haldenhof bei Isny, um gemeinsam über die Zukunft der Bodenmöser zu sprechen. Vertretende aus Landwirtschaft, Naturschutz, Verwaltung, Wissenschaft, Tourismus, Forstwirtschaft und Jagd sowie Interessierte saßen an diesem Abend zusammen und gaben den unterschiedlichen Perspektiven Raum.

Ein Projekt, viele Blickwinkel

Prof. Dr. Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gab zu Beginn einen Überblick über die Machbarkeitsuntersuchung und die Gesamtkonzeption des Moorschutzprojekts in den Bodenmösern. Schnell wurde klar: Die Fragen, die die Menschen vor Ort bewegen, sind konkret und drängend. Sie standen im Mittelpunkt des Abends.

Wie viel landwirtschaftliche Fläche wird sich künftig verändern? Wie geht man mit dem zunehmenden Biberaufkommen um? Was bedeutet eine Wiederaufnahme der traditionellen Wiesenbewässerung? Statt fertiger Antworten gab es an diesem Abend vor allem eines: echten Austausch.

Tradition und Naturschutz müssen sich nicht widersprechen

Spannend war der Hinweis von Erhard Bolender, dass die historische Bewirtschaftung der Wässerwiesen rund um Isny als Vorbild für heutigen Artenschutz und Wiedervernässung dienen kann. Wie es im Gespräch hieß: Diese traditionelle Form der Nutzung wurde früher nie als Einschränkung empfunden – sie hat einfach gut funktioniert. Ein Gedanke, der zeigt, dass sich Landwirtschaft und Naturschutz in der Vergangenheit ergänzten.

Auch beim Thema Vogelschutz zeigte sich, wie wichtig der Blick auf das große Ganze ist. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: Für den Vogelbestand in den Bodenmösern sei vor allem wichtig, dass Insekten erhalten bleiben – mehr Nässe sei dabei kein Problem, denn auch Kiebitze brüten auf nassen Flächen. Wichtiger sei es, den Fuchsbestand im Blick zu behalten.

Offene Fragen

Ein Dialogforum lebt davon, dass auch schwierige Themen zur Sprache kommen dürfen. So wurde intensiv über das giftige Wasserkreuzkraut diskutiert, das den zweiten Schnitt von Feuchtwiesen unbrauchbar macht und dessen Ausbreitung im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht. Auch die Zuverlässigkeit von Landschaftspflegegeldern und die Herausforderungen im Bibermanagement wurden offen angesprochen – Themen, bei denen es noch keine fertigen Lösungen gibt, die aber gemeinsam angegangen werden müssen.

Mahd-Management abstimmen

Genauso kam der Wunsch nach einem gemeinsamen Mahd-Management zur Sprache: die Idee, Schnittzeitpunkte über Flächengrenzen hinweg gemeinsam abzustimmen – unter Berücksichtigung von Vogelschutzbelangen und landwirtschaftlicher Praxis. Auch eine Beweidung mit Wasserbüffeln oder Schottischen Hochlandrindern wurde als mögliche Option für einzelne Flächen diskutiert.

Mehrfach betonten die Teilnehmenden die hohe Bedeutung des Moorkomplexes Bodenmöser. Dabei wurde deutlich, wie wichtig ihnen der Schutz und der langfristige Erhalt dieser besonderen Moorlandschaft sind.

Prof. Dr. Matthias Drösler beim Dialogforum in Isny – Foto Heike Helfenstein

Zuhören – Lösungen finden

Was diesen Abend besonders machte war, dass so viele Personen mit unterschiedlichen Interessen in einem Raum saßen. Und bereit waren, zuzuhören: Landwirtinnen und Landwirte, die von ihrem Alltag berichteten, Naturschützende, die ihre fachliche Perspektive einbrachten, und das Team der HSWT aus der Wissenschaft, die den größeren Zusammenhang aufzeigten. Genau in diesem Nebeneinander der Sichtweisen liegt die Chance für die Zukunft der Bodenmöser: eine Entwicklung, die landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz gemeinsam denkt.

Der Abend endete bei angeregten Gesprächen im Biergarten – ein passender Ausklang für einen Termin, der gezeigt hat, wie viel Verständigung entstehen kann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Anliegen sich Zeit füreinander nehmen.

Naturvielfalt Westallgäu bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihre Offenheit und ihre wertvollen Beiträge und freut sich auf die Fortsetzung des Dialogs am 29. September 2026 beim Palodium!

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