Paludinutzung: Was ist das?

Entwässerungsbasierte und nasse Landwirtschaft im Vergleich. Illustration: Sarah Heuzeroth in Kooperation mit dem Greifswald Moor Centrum
Entwässerungsbasierte und nasse Landwirtschaft im Vergleich. Illustration: Sarah Heuzeroth in Kooperation mit dem Greifswald Moor Centrum

Moore schützen und sie gleichzeitig nachhaltig nutzen: Klingt zu gut, um wahr zu sein? Die Masterthesis von Jan Bolender beleuchtet das Konzept der Paludinutzung als nachhaltige Alternative zur traditionellen Moorbodenbewirtschaftung. ​ Ziel ist es, die Torfbildung zu fördern, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und die Biodiversität zu erhalten. ​Im Fokus stehen landwirtschaftliche Betriebe im Voralpinen Hügel- und Moorland, einer Region mit über 25.000 Hektar Moorflächen. Fazit: Es könnte gehen – aber wir brauchen Mutige, die voran gehen und offen für Neues sind.

Was ist Paludinutzung?

Das Wort Paludikultur (“Paludus” = Sumpf, Moor) oder besser Paludinutzung beschreibt die Bewirtschaftung nasser Moorböden unter torfschonenden Bedingungen. Im Gegensatz zur intensiven Nutzung, die auf Entwässerung basiert, ermöglicht sie die Wiederherstellung von Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung, Wasserrückhalt und Lebensräume für seltene Arten. Auch traditionelle Ansätze wie Streuwiesennutzung und innovative Methoden wie die energetische Nutzung von Biomasse gehören zur Paludinutzung. ​

Herausforderungen und Potenziale

Die Studie von Jan Bolender zeigt, dass finanzielle Unsicherheiten, bürokratische Hürden und fehlende technische Infrastruktur zentrale Herausforderungen sind. ​ Gleichzeitig bietet Paludinutzung Potenziale für Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Geschäftsmodelle. Zwar haben nur weniger als die Hälfte der Landnutzenden selbst praktische Erfahrungen mit Paludinutzung gemacht. Diejenigen Teilnehmenden oder befragten Landnutzenden, die jedoch Erfahrungen haben, bewerten die Möglichkeiten positiver. Das unterstreicht die Bedeutung von Pilotprojekten und Wissenstransfer.

Praktische Handlungsempfehlungen

Die Thesis liefert konkrete Empfehlungen, um die Paludinutzung erfolgreich zu etablieren wie zum Beispiel:

  • Bildung und Forschung: Förderung von Wissenstransfer und interdisziplinäre Forschung ​
  • Ökologische Maßnahmen: Wiedervernässungsprojekte, Einführung eines „Paludi-Siegels“ und langfristige Renaturierungsförderung
  • Ökonomische Anreize: Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, Entwicklung von Prämienmodellen und Schaffung eines Innovationsfonds
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, Anpassung der Haftungsregelungen und Integration in nationale und internationale Klimapolitik ​
  • Netzwerke: Aufbau regionaler und überregionaler Kooperationen, Einrichten eines Koordinationsbüros vor Ort

Gemeinsam für bessere Lösungen

Die Arbeit liefert Impulse für die nachhaltige Moorbodenbewirtschaftung und kann als Modell für andere Regionen dienen. Zukünftige Forschung sollte sich auf hybride Nutzungskonzepte, politische Rahmenbedingungen und effektive Kommunikationsstrategien konzentrieren. ​

Fazit: Paludinutzung ist ein vielversprechender Ansatz, um Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltige Landnutzung zu vereinen. ​ Mit gezielten Maßnahmen und interdisziplinärer Zusammenarbeit kann sie eine Schlüsselrolle in der Transformation der Landwirtschaft spielen. ​